Der Comedian-Singer Walti Dux hatte Premiere mit seinem neuen Programm «Keiner spielt Vivaldi»
Der Comedy-Sänger Walti Dux aus Uster präsentierte am Samstag seine neue Bühnenshow. «Keiner spielt Vivaldi» nimmt die Welt von Herrn und Frau Schweizer charmant aufs Korn.
Virginia Nolan
Es spielt wirklich keiner wie Walti: «Es Froueli wott z Määrit ga» etwa, diese harmlos-liebliche Nummer aus dem Berner Oberland, hat Walti Dux zu einer Coverversion inspiriert. «Mini Tussi wott go shoppe» heisst seine Variante der Neuzeit dann. Damit will er den heutigen Missständen in Partnerschaften auf den Zahn fühlen. Alias geschlagener Hansli stimmt Walti Dux zum Protest-Song an: «Häusliche Gewalt grassiert! Und ich sage Ihnen: Wir Männer haben genug!»
Am geschlagenen Mann kommt keiner vorbei. Ob John Lennon, Ozzy Osborne oder Heino: Walti klaut ihnen die Melodien, zur Rettung des vermeintlich starken Geschlechts ist er sich für nichts zu schade. Walti Dux besticht mit authentischer Stimmlage, bei «Imagine» könnte man fast meinen, den echten Meister auf der Bühne zu haben. Nur der Refrain ist etwas anders: «Mini Frau, die schlaat mi au» haucht Dux mit Lennon'schem Weltschmerz-Blick ins Mikrofon. Bei der Schlusskür des Geschlagenen-Songs, einer Heino-Einlage mit Perücke und Brille, dürften die Augen der Zuschauer schon einige Lachtränen vergossen haben.
Walti Dux' Programm ist zweisprachig. In der Schweiz werde Hochdeutsch ja bereits für den Sandkasten gefordert; so wolle auch er sich anpassen, sagt er. Dux moderiert seine Show abwechslungsweise etwas unbeholfen in Schweizerdeutsch - «also, oder, ähm...» - oder als deutscher Besserwisser. Dann zieht er sich eine Mozart-Perücke über. «Wir wollen ja das Niveau heben!», mahnt er in feinstem Schriftdeutsch. Allfälligen werdenden Müttern im Publikum gibt er beiläufig den Tipp, ihren Wonneproppen auch ja in Hochdeutsch willkommen zu heissen, «denn die Ergebnisse der Pisa-Studie zementieren unsere Chuchichäschtli-Sprachkompetenz immer weiter».
Fliessende Grenze zur Schule ...
«Ich schreibe halt auf, was in meinem kleinen Kosmos so läuft», sagte Walti Dux in der Pause im Gespräch. Der Primarlehrer muss seine Nummern auf ein breites Publikum zuschneiden. Er geizt nicht mit Sozialkritik, hat aber auch lustige Überraschungen für Kinder parat. Wenn er einen Sketch über «Zickenalarm» und «SMS-Terror» im pubertären Stadium vorspielt, lässt das vermuten, dass sich eine Szene vom Pausenplatz ins Programm geschlichen hat.
Als einer von Dux' Schülern, ein Zweitklässler, nach der Show aufstreckte und sich erkundigte, ob er seine Abschreib-Tricks in der Schule künftig auch anwenden dürfe, musste ihn der Komiker lachend mahnen, Schule und Bühne zu trennen. Und er fügte gleichzeitig hinzu: «Obwohl mir das ja auch nicht immer gelingt.»
Die Tristesse der Chlaus-Branche
Ein weiterer Brüller war Dux' Samichlaus-Reihe. In dieser Nummer erzählte er von der banalen Alltagstristesse der Chläuse. Er habe diesen Scheiss-Job an den Nagel gehängt, so Dux in Chlaus-Montur. «Die ganzen weiblichen Hormone im Wasser, und dann saufen die Männer diesen Seich», rief er aus. Das habe eine unmittelbare Auswirkung auf das Chlaus-Business: «Die Männer bringen es nicht mehr, es gibt keine Kinder, und uns bleiben Firmenfeiern und Altersheime.»
Unter und über der Gürtellinie verlaufen Walti Dux' Geschichten über Chlaus-Besuche in Bordellen, Asylanten- sowie Altersheimen. Jeden Besuch beschrieb er mit einer anderen Version des Weihnachtsverses «Sami Niggi Näggi». Im Altersheim «findet man Nuss und Birnen puren Schock und fragt stattdessen nach Kartoffelstock». Die Asylanten finden seine Nüsse krass - «häsch mer nöd en Schwiizerpass?».
«Keiner spielt Vivaldi», darauf kam Dux' Frau Marisa, als sie in Prag überall Plakate einer Vivaldi-Oper zu Gesicht bekam. «Wie Walti» dachte sie und hatte für das Programm ihres Gatten flugs einen Namen. Für seine aktuelle Show hat der Lehrer über zwei Jahre geübt. Dux ist ein wahrer Entertainer - mit Gitarre, Perücke und Plastikhuhn bot er so gute Unterhaltung, dass ihn das Publikum nur ungern gehen liess. Wie er das macht? «Einfach mit offenen Ohren und Augen durch die Welt gehen», lautet seine Devise.
© «Der Zürcher Oberländer» / «Anzeiger von Uster» 20.11.2006
«Keiner spielt Vivaldi» heisst das neue Stück, mit dem der Kulturpreisträger der Stadt Uster auf Tournee geht. Am Samstag war Vorpremiere im Qbus.
Von Caroline Senn
Uster. - Das Publikum schien das neue Programm von Walti Dux sehnlichst erwartet zu haben. Eine Viertelstunde vor Beginn war gerade noch einer der 160 Sitzplätze frei. Im Qbus befanden sich auffallend viele Kinder im Primarschulalter in Begleitung ihrer Eltern. Viele der Kinder kennen Walti Dux als Primarlehrer im Ustermer Schulhaus Dorf.
Nimmt man den Titel des Programms wörtlich, so hiesse das, dass heute niemand mehr die Werke des Komponisten Vivaldi spielt. Doch der Comedy-Singer ist bekannt für seine Wortspielereien!, «Vivaldi» bedeutet bei ihm «wie Walti». Dux schlüpfte gekonnt in verschiedene Figuren. So verkörperte er mehrmals einen barocken Lehrmeister, der das Publikum mit Fragen zu klassischen Komponisten löchert, oder einen Patienten, der sich in seine Krankenschwester verliebt. Aktuelle Gesellschaftsthemen griff er humoristisch auf, so den Schönheitswahn in der Form des «Zähnebleichens» oder das SMSlen bei Schülern. Dabei bediente er sich der Mundart- wie der Schriftsprache und begleitete seine Ausführungen häufig auf seiner Gitarre.
Viele Lacher erntete Dux mit seiner Neuinterpretation des Schweizer Mundartliedes «Es wot es Fraueli z Märit go».
Die altbekannte Weise ersetzte er durch moderne Melodien, etwa «Imagine» von John Lennon oder «Dreamer» von Ozzy Osborne. Dem Publikum - ob Alt oder Jung - hat das neue Programm sichtlich gefallen. Es verabschiedete Walti Dux erst nach zwei Zugaben und mit grossem Applaus. So wie Walti spielt halt keiner...